Trauer um unser Vereinsmitglied Dr. Rolf Meyerhöfer

Dr. Rolf Meyerhöfer, hier mit seiner Frau Doris. Foto: Bezirks-Journal/ J. Kostow

Dr. Rolf Meyerhöfer, hier mit seiner Frau Doris. Foto: Bezirks-Journal/ J. Kostow

Es ist ein schier unfassbarer Verlust für den Bezirk. Dr. Rolf Meyerhöfer, unermüdlicher Chronist, unser guter Freund und Kamerad, Gründungsmitglied des Fördervereins Schloß Hohenschönhausen, ist am 26. Dezember gestorben. Er war ein unermüdlicher Sammler, der das Tagesereignis mit dem nüchternen Blick des Naturwissenschaftlers dokumentierte. Als 2015 sein Stadtteil Neu-Hohenschönhausen, wo er selbst unweit vom Prerower Platz und Mühlengrund wohnte, die Dreißig erreichte, wurde er zum begeisterten Fabulierer. Mit großen Fotoalben, mit eigenen Postern, Publikationen und mit einer Ausstellung, sogar im Fernsehen, erzählte er, wie das ehemalige Handelshaus, dann das Lindencenter entstanden und wie die vielen Menschen hier heimisch wurden. Er kooperierte mit Künstlern, so mit dem Metallbildhauer Achim Kühn am Mühlenradbrunnen und sorgte dafür, dass an die Entwick-lung von städtischen Rieselfeldern zum lebenswerten Wohngebiet eine Gedenktafel erinnert.

Ehrenamtliche Tätigkeit war Dr. Meyerhöfer sein ganzes Leben lang ein wichtig. Schon bevor er mit seiner Frau Doris nach Studium und Berufsausübung als Mathematik- und Physiklehrer 1985 nach Hohenschönhausen zog, arbeitete er im Kreis Neustrelitz im Heimat-geschichtsverein zur Erschließung der Denkmale in Wolfshagen und Umgebung. Promotion und Arbeit an der Akademie für pädagogische Wissenschaften waren weitere Stationen.

Die vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die Dr. Meyerhöfer im Laufe der Jahre wahr-nahm, sind kaum aufzuzählen. Aber der Förderverein Schloss Hohenschönhausen war über fast zwei Jahrzehnte ein wesentlicher Lebensmittelpunkt. Er gehörte zu den Wenigen, die sich im Mai/Juni 1998 zusammenschlossen, um nach Wegen zu suchen, das alte, schon aufgegebene, dreihundertjährige Gutshaus, allen scheinbaren Vernunftgründen und Wider-ständen zum Trotz erhalten zu wollen. Er hatte eine freundliche und hilfsbereite Art, konnte auch zwischen entgegengesetzten Meinungen ausgleichen. ‚Ach, lasst man, ich mache einfach das, was ich jetzt tun kann‘, sagte er oft. Mit seinem unverwüstlichen Optimismus stärkte er immer wieder den Gemeinschaftssinn und brachte das Projekt voran. Es ist nicht nur eine Lücke, die sein Tod in Hohenschönhausen riss, sondern ein wirklich großes Loch im ehrenamtlichen Netzwerk. Im Vorstand des Fördervereins Schloß Hohenschönhausen hatte Dr. Meyerhöfer über viele Jahre maßgeblichen Anteil an der Kultur-, Geschichts- und Öffent-lichkeitsarbeit. Er hielt viele Vorträge, führte am Tag des offenen Denkmals durchs Haus, – kurz, es gab beinahe nichts, woran er nicht beteiligt war. Seine Broschürenreihen „Hohen-schönhausener Kalenderblätter“ (13 Hefte) sowie „Hohenschönhausen gestern und heute“ (8 Hefte) sind jetzt legendär. Wichtige Ausstellungen für Hohenschönhausen, wie die über 725 Jahre Lichtenberg und seine Dörfer, über den preußischen Reformer Christian Friedrich Scharnweber, über den Erfinder und Unternehmenspionier Paul Schmidt (DAIMON), oder über die mehr als elftausend ‚Schlossbabies‘ sind auch von ihm mit erarbeitet worden.

Am 24. September 2015 wurde Dr. Meyerhöfer in einer Sondersitzung der BVV als Chronist von Hohenschönhausen geehrt. Niemand ahnte, dass es sein letzter öffentlicher Auftritt war. Heute, angesichts seines Todes, kann man es vielleicht so sagen: War der Lehrer Gustav Berg (1883-1970) der Chronist des alten Hohenschönhausen (siehe ‚Hohenschönhausen gestern und heute‘, Heft 2009), so war Dr. Rolf Meyerhöfer (1940-2015) der Chronist des neuen Hohenschönhausen. Dr. Knut Käpernick, Schlossverein